Viele Landwirtinnen und Landwirte können von ihrer Arbeit kaum leben – ob Milch-, Getreide- und Obstbäuerinnen in Deutschland und Europa oder Kakao- und Kaffeeproduzentinnen in Ghana oder Mexiko.
Mit einem Appell wird Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer aufgefordert, sich klar für faire, kostendeckende Preise entlang der gesamten Lieferkette einzusetzen. Landwirtschaftliche Produkte dürfen nicht unterhalb der Produktionskosten eingekauft werden.
MODELLKOMMUNEN. Gemeinsam faire Merchandise-Ideen entwickeln
Preisfrage: was haben die Hansestadt Lübeck und die Wikingerstadt Schleswig gemein mit der Hebelstadt Wesselburen und der Nordsee-Insel Pellworm? Richtig: sie sind unsere Modellkommunen bei nordisch.nachhaltig.fair. Gemeinsam werden wir neue Ansätze und Ideen für nachhaltiges Merchandise entwickeln. I mehr
Nachhaltig beschaffen. Aber wie? – Neue Downloads verfügbar.
Beim Online-Vernetzungstreffen am 13. Februar 2026 zur Nachhaltigen Beschaffung in Schleswig-Holstein ging es u.a. auch um die Möglichkeiten beim Stadtmarketing und Catering.
Zusammen mit der Fachhochschule Westküste, dem Kompetenzentrum für Nachhaltige Beschaffung und Vergabe (KNBV), der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) sowie unserem Projektpartner Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein (BEI e.V.) hatten wir am 8. Oktober zu einem Fachtag in die FH eingeladen. Mit fast 80 Gästen aus dem Stadt- und Tourismusmarketing, davon 30 online, war er ein toller Erfolg!
Los ging es vormittags mit spannenden Vorträge zu nachhaltigem Tourismus, global justice und nachhaltiger Markenführung, dazu gab es inspirierende Praxisbeispiele aus Niebüll und Norderstedt. In den Workshops wurden Herausforderungen einer nachhaltigen Beschaffung diskutiert und am Beispiel verschiedener Produktgruppen Möglichkeiten für fair gehandelte Alternativen aufgezeigt.
Faires und nachhaltiges Merchandising im Stadt- und Tourismusmarketing
Auf dem Markt der Möglichkeiten konnten die Teilnehmer*innen faire Produkte entdecken, netzwerken und sich austauschen. FairHandler aus ganz Deutschland, darunter auch Sonnenglas und Matarenda aus Dithmarschen, präsentierten die große Vielfalt fair gehandelten Merche.
Faires Merche aus Filz
Faires Merche aus Speckstein
Faires Merche aus Recycling-Blech
Dokumentation
Du möchtest noch einmal gerne das Gehörte nachlesen? Oder Dich von Anregungen für das eigene faire und nachhaltige Stadt- und Tourismusmarketing inspirieren lassen? Dann lade Dir gerne einfach die passende Datei herunter. Wir haben sie auf der Projektseite vom Bündnis Eine Welt online gestellt.
SPETEMBER. OKTOBER. NOVEMBER – 3 Monate – 3 Fachtage für Austausch & Inspirationen!
Im Herbst bieten wir in bewährter Zusammenarbeit mit unseren Kooperationspartnern wieder zu unseren Arbeitsschwerpunkten drei verschiedene Formate zum Austauschen und Inspirierenlassen an.
Am Mittwoch, den 06. August 2025, hat das Bundeskabinett einen Gesetzesvorschlag beschlossen, der die noch unter der Ampel angestoßene Vergaberechtsreform wieder aufgreift. Das ursprüngliche Ziel – eine Vereinfachung und Digitalisierung des öffentlichen Einkaufs – erachten auch wir als sinnvoll.
Um das Potenzial einer strategischen Beschaffung auszuschöpfen, braucht es jedoch auch verbindliche Vorgaben für Nachhaltigkeit und den Schutz von Menschenrechten im öffentlichen Einkauf. Darauf haben wir im Verbund mit unserem Landesverband Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein e.V. (BEI) sowie auch andere Menschenrechts- und Umweltorganisationen immer wieder im Laufe der öffentlichen Konsultationen hingewiesen. Auch Unternehmen(sverbände), (Ober-)Bürgermeister*innen und Vergaberechtsexpert*innen hatten sich im vergangenen Jahr in einem gemeinsamen Appell dafür eingesetzt.
Wir begrüßen die im neuen Gesetzentwurf aufgenommenen Neuerungen zur Beschaffung von klimafreundlichen Leistungen. Ebenso die Ergänzung, dass bei Markterkundungen ausdrücklich die “Einbeziehung umweltbezogener und sozialer Aspekte sowie Aspekte der Qualität und Innovation” zulässig ist. Durch die im Vorfeld von Vergaben erforderlichen Markterkundungen können somit einerseits bereits nachhaltige Unternehmen identifiziert werden und von öffentlichen Aufträgen profitieren. Andererseits können die Erkundungen wichtige Signale an den Markt senden und dazu beitragen, dass sich Unternehmen auf nachhaltigere Praktiken umstellen.
Zur Förderung einer sozial-ökologischen öffentlichen Beschaffung reichen diese Maßnahmen allein jedoch nicht aus. So hätte der im Vergabetransformationspaket im vergangenen Jahr neu aufgenommene Paragraf § 120a zur Berücksichtigung sozialer und umweltbezogener Aspekte deutlich mehr Verbindlichkeit geschaffen und in der Praxis dazu beitragen können, eine nachhaltige öffentliche Beschaffung in die Breite zu tragen und eine Standardisierung und Vereinfachung voranzutreiben. Wir bedauern, dass dies im Vergabebeschleunigungsgesetz nun nicht mehr vorgesehen ist.
Wir rufen die Regierungsfraktionen dazu auf, in der nun folgenden parlamentarischen Beratung Nachbesserungen vorzunehmen und damit auch ein klares Signal mit Blick auf die Reform der europäischen Vergaberichtlinie und der angekündigten Neufassung der Unterschwellenvergabeordnung zu senden.
Faires Merchandising im Stadtmarketing: Neues Projekt am Start
Viele Kommunen im echten Norden setzen bereits auf Fairen Handel, Nachhaltigkeit und Qualitätstourismus. Mit einem neuen Projekt unterstützen wir gemeinsam mit unserem Landesverband, dem Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein (BEI), nun Kommunen dabei, im Stadt- und Tourismusmarketing mit einem fairen Merchandising neue Wege in der nachhaltigen Beschaffung zu gehen.
Mit Austauschformaten und bewährten wie außergewöhnlichen Praxisbeispielen wird es Impulse und Ideen für faire Merchandise-Produkte geben, sowohl für Werbemittel als auch für Produkte zum Verkauf in Tourist-Informationen oder zum Verschenken in Präsentkörben.
Landesweiter Fachtag als Auftakt
Auftakt zum neuen Themenschwerpunkt wird ein landesweiter Fachtag zu lokalem Tourismus in globaler Verantwortung am 8. Oktober 2025 sein – wieder in Kooperation mit der FH Westküste in Heide. Im zweiten Projektjahr wird es dann kreativ. Mit Modellkommunen und interessierten Regionen sollen in Design-Thinking-Werkstätten konkrete nachhaltige Produktideen entwickelt werden, die eine Brücke schlagen vom eigenen Ort zum Fairen Handel.
Unterstützt wird das neue Projekt unter anderem von dem Kompetenzzentrum für Nachhaltige Beschaffung und Vergabe (KNBV), der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein GmbH (TA.SH), dem Städteverband Schleswig-Holstein und der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW).
Mehr zum Projekt findest du unter hier. Unsere weitere Arbeit im Bereich faire und nachhaltige Destinationen in Schleswig-Holstein beschreiben wir hier.
Bildnachweis Ulrike Bohr/pixapay Marco Klemmt/EINE WELT IM BLICK
Natursteine auf Friedhöfen zukünftig ohne Kinderarbeit – aber…
Heute nachmittag hat der Landtag Schleswig-Holstein beschlossen, dass in Zukunft keine Natursteine aus Kinderarbeit mehr auf Friedhöfen in Schleswig-Holstein verwendet werden dürfen.
Das Verbot bezieht sich dabei nicht nur auf Grabsteine sondern auf Naturstein-elemente aller Art. Das Land setzt nun konsequent auf anerkannte Zertifizierungen und unabhängige Kontrollen. Das begrüßen wir natürlich!
„Allerdings werde eine alleinige Konzentration auf die Vermei-dung ausbeuterischer Kinder-arbeit der Problemlage in der Branche nicht gerecht. Auch die Arbeitsbedingungen für er-wachsene Arbeiter*innen sind in wichtigen Herkunftsländern wie China und Indien alles andere als akzeptabel. Die Erfahrung hat gezeigt, dass allein ein Verbot von ausbeu-terischer Kinderarbeit oftmals nur zu einer Verlagerung von Kinderarbeit in andere Sektoren führt, wenn nicht die Erwachse-nen ein Einkommen erzielen, das die Grundversorgung der Familie sicherstellt.“
Antje Edler, Fachpromotorin für zukunftsfähiges Wirtschaften
Dies hatte unser Landesverband Bündnis Eine Welt in seiner Stellungnahme zum Gesetzesentwurf, an der wir intensiv mitgewirkt haben, deutlich gefordert.
Zudem haben wir auf die nachweisliche Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen bei Natursteinen – insbesondere die zum Arbeits- und Gesundheitsschutz und zum Verbot von Zwangsarbeit – und auf eine Verpflichtung zur schritt-weisen Einhaltung weiterer Arbeits- und Sozialstandard hingewiesen. Leider wurden diese Punkte nicht mit in das Bestattungsgesetz aufgenommen.
Für uns heißt das: wir werden weiter am Ball bleiben und auf dieses Manko im Gesetz hinweisen. Und als Verbraucher*innen müssen wir beim Einkauf weiterhin die Augen aufhalten. Eine gute Orientierung für den Kauf von Grabsteinen und anderen Natursteinen bietet der “Kompass Nachhaltigkeit”, der Gütesiegel benennt, die die von uns und vielen anderen NGOs geforderten Standards bereits einhalten.
Appell: Wir fordern eine gesetzliche Verankerung für nachhaltige Beschaffung
EINE WELT IM BLICK arbeitet seit vielen Jahren im Bereich der “Fairen Öffentlichen Beschaffung” – auf lokaler Ebene ebenso wie landes- und bundesweit. Die öffentliche Hand in Deutschland, die jährlich etwa 500 Milliarden Euro in den Erwerb von Waren und Dienstleistungen (OECD 2019) investiert, könnte bei einer entsprechenden Beschaffung eine wichtige Vorbildfunktion einnehmen. Allen voran natürlich der Bund.
Daher unterstützen wir nun einen Appell, der die Bundesregierung auffordert, klare gesetzliche Vorgaben für die Berücksichtigung von Menschenrechten und Umweltstandards bei der Beschaffung von Bund, Ländern und Kommunen zu erlassen.
Mehr als mehr als 70 zivilgesellschaftliche Organisationen, 16 Bürgermeister*innen und eine Vielzahl von Unternehmen, Verbänden, Zertifizierungsstellen und Expert*innen haben ihn ebenfalls bereits mitgezeichnet. Fairtrade-Towns-Initiativen und andere Akteure arbeiten daran, Kommunen zu einer verantwortungsbewussten und nachhaltigen Beschaffung zu bewegen. Städte wie Bremen, Dortmund, Köln, München, Hamburg und Berlin machen vor, dass es möglich ist, Produkte wie Arbeitskleidung, Lebensmittel, Computer und Spielwaren nachhaltig zu beschaffen. Dennoch bleibt das Potenzial ungenutzt, da es keine einheitlichen Vorschriften auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene gibt.
Derzeit bietet sich die Gelegenheit, von der Bundesregierung die Verankerung dieser Praxis im Gesetz zu verlangen. Im Koalitionsvertrag hat die Regierung angekündigt, dass die öffentliche Beschaffung und Vergabe künftig stärker auf wirtschaftliche, soziale, ökologische und innovative Kriterien ausgerichtet und deren Verbindlichkeit erhöht werden sollen. Im Rahmen eines Konsultationsprozesses des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) haben viele Beteiligte für eine deutliche Stärkung nachhaltiger Beschaffung plädiert. Das Ministerium arbeitet bereits an einem „Vergabetransformationspaket“ und hat kürzlich einen Referentenentwurf vorgelegt.
Eine gesetzliche Verpflichtung zur nachhaltigen Beschaffung würde es den Kommunen ermöglichen, durch ihr Einkaufsverhalten einen wesentlichen Beitrag zur sozial-ökologischen Transformation der Wirtschaft zu leisten.
Für Unternehmen würde diese Regelung Planungssicherheit schaffen, da sie sich langfristig auf gleichbleibende Anforderungen der öffentlichen Hand einstellen könnten und ihre Bemühungen in Bereichen wie sozialen Standards, Menschenrechten und Umweltschutz anerkannt würden.
Anlässlich der diesjährigen Fairen Woche haben zusammen mit unserem Landesdachverband, dem Bündnis Eine Welt e.V. (BEI), 14 Abgeordnete des Landtages bzw. deren Mitarbeiter*innen zu einem „Fairen Frühstück“ im Landeshaus Kiel begrüssen können.
Zu den Frühstücksgästen gehörten neben der Landtagspräsidentin Christina Herbst (CDU) auch die stellvertretende Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Silke Backsen und der zukünftige Bürgermeister von Büsum, Oliver Kumbartzky (FDP). Über diesen Zuspruch bei unserem ersten Event im Landtag haben wir uns sehr gefreut.
Während die Abgeordneten das leckere Frühstück aus fairen und regionalen Produkten geniessen konnten, erläuterte Antje Edler, unsere Fachpromotorin für zukunftsfähiges Wirtschaften beim Eine Welt im Blick, Möglichkeiten, wie der öffentlichen Einkauf auf Landes- und kommunaler Ebene global verantwortlich gestaltet werden kann, damit auch Schleswig-Holstein einen wichtigen Beitrag für mehr globale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit leisten kann.
Heutzutage gibt es viel mehr als nur Kaffee aus Fairem Handel, um nachhaltig und fair einzukaufen. Im Bereich sogenannter sensibler Produkte, wo es immer wieder zu Verstößen gegen Arbeits- und Umweltstandards kommt, gibt es mittlerweile Initiativen und anerkannte Gütesiegel für engagierte Unternehmen. Das gilt für Textilien, Leder, Holz, Naturkautschuk, Agrarprodukte, Sportartikel, Spielzeug, Natursteine und sogar für IT-Produkte.
Und das Potential ist enorm: jedes Jahr geben der Bund, die Länder und Kommunen zwischen 300 und 500 Milliarden Euro für die ihre Beschaffung aus. Um die nachhaltigen Entwicklungsziele (die sogenannten SDGs), die sich die Weltgemeinschaft 2015 gesetzt hat, zu erreichen, soll daher auch in der öffentlichen Beschaffung die nachhaltige Vergabe gefördert werden.
Leider funktioniert das noch nicht in der Fläche. Ein Blick in die ersten aktuellen Berichte der neu eingeführten Vergabestatistik zeigt: Bei über 80 Prozent der öffentlichen Aufträge werden keine Nachhaltigkeitskriterien einbezogen. Daher fordern wir im Verbund mit dem BEI verbindliche Vorgaben für eine nachhaltige, global verantwortliche öffentliche Beschaffung.
Ein wichtiges Instrument in Schleswig-Holstein kann der Leitfaden für nachhaltige Beschaffung des Landes sein, an dem seit längerem gearbeitet wird.