Faire Woche 2026. Besondere Gäste.
Faire Woche 2026. Besondere Gäste.

Faire Woche 2026. Besondere Gäste.

04. Oktober 2026

Da staunte Edwing Gonzales nicht schlecht. Solch große Kohlköpfe hatte er noch nicht gesehen. „Están enorme – die sind ja riesig!“, sagte er beeindruckt. Zusammen mit Marcos Duartes war er auf Einladung von unserem Verein, dem Eine Welt im Blick, für einen Tag zu Besuch in Dithmarschen.

Die beiden sind Kaffeebauern aus Nicaragua, dem mittelamerikanischen Land, das genau wie Schleswig-Holstein über zwei Küsten verfügt. Ihre Kooperativen sind seit vielen Jahren Partner im Fairen Handel und verkaufen ihren Kaffee auch nach Deutschland.

Marcos Duarte ist Sohn eines der Gründer der Kooperative Cosatin und seit vier Jahren deren Manager. Er arbeitet im Städtchen Boaco, das etwa 80 km nordöstlich von Managua, der Hauptstadt Nicaraguas, liegt. Die Kooperative hat heute rund 300 Mitglieder, die verstreut in kleinen Gemeinden leben.

Edwing Gonzales ist Gründer und derzeit auch der Präsident der Cooperativa La Unidad, einer der größten Kaffeekooperativen des Kooperativenverbandes UCA Miraflor. Die fincas – kleine Bauernhöfe mit im Durchschnitt drei Hektar Land-, liegen alle im wunderschönen Naturschutzgebiet Miraflor im bergigen Norden Nicaraguas. Eine Gegend, die für ihre drei verschiedenen Klimagebiete, Lagunen, Wasserfälle und vielfältige Tier- und Pflanzenwelt bekannt ist. Und es ist das größte Anbaugebiet für Kohl in Nicaragua.

Daher war es nicht verwunderlich, dass wir bei einem Kohlfeld auf dem Weg zum Speicherkoog diesen (Foto-) Stopp einlegen mussten. Auch sonst zeigten sich die beiden Bauern sehr interessiert an dem, was hier auf den Weiden grast und auf den Feldern wächst.

Ihr Hauptanliegen war aber ein anderes: sie sind nach Deutschland gekommen, um über die Wirkungen und Bedeutung des Fairen Handels bei ihnen vor Ort zu berichten. So haben wir am Morgen gemeinsam erst die Gelehrtenschule und danach auch noch die Gemeinschaftsschule besucht.

Einmaliges Erlebnis

Für die Schüler und Schülerinnen war es ein einmaliges Erlebnis. Waren doch erstmals Kaffeebauern aus dem Globalen Süden in Dithmarschen. Die Schüler und Schülerinnen hörten zunächst gespannt den Ausführungen von Edwin und Marcos zu, bevor es in einen intensiven Austausch ging.

Insbesondere für die Schüler und Schülerinnen der Gemeinschaftsschule, die sich ja als anerkannte Fairtrade-School für mehr Fairness im globalen Handel engagiert, war dieser Besuch sicherlich motivierend. Haben sie doch nicht nur aus erster Hand erfahren können, welch große Bedeutung der Fairen Handel für die Kaffeebauern und Kaffeebäuerinnen hat. Nun haben sie auch reale Gesichter und Geschichten hinter den Produkten kennengelernt.

Zu Besuch im Meldorfer Weltladen

Auch ein Besuch im Meldorfer Eine Welt-Laden stand auf dem Programm. Die beiden Kaffeebauern waren sichtlich beeindruckt von dem ehrenamtlichen Engagement der Mitmachenden. Erstaunt und sehr erfreut zugleich stellte Marcos Duarte dann fest, dass „seine“ Kaffeebohnen ein wichtiger Bestandteil im „Meldorf Kaffee“ sind. Wir sind sicher, Meldorf wird ihm in guter Erinnerung bleiben.

„Der Klimawandel ist längst da“

Dass die Bauern auch in Nicaragua vor großen Herausforderungen stehen, wurden bei der abendlichen öffentlichen Veranstaltung im DithSHIt deutlich. Vieles davon dürfte den Bauern hierzulande bekannt vorkommen: Generationenwechsel, ländliche Zukunftsperspektiven, existenzsicherndes Einkommen und nicht zuletzt der globale Klimawandel. „Bei uns ist er längst da“, sagt Marcos Duarte. Dieser zeige sich vor allem darin, dass der Regen immer öfter auch in der Trockenzeit fällt. Damit können sich die Kaffeepflanzen und vor allem die Kaffeekirschen nicht mehr richtig entwickeln, was zu Ernteverlusten führt. Und andersherum ist die eigentliche Regenzeit oft ohne Regen, so dass sich generell Dürre ausbreitet.

Diversifizierung als Investition in die Zukunft

Die Kooperativen setzen aber nicht nur auf den Bio- Kaffee für den Export. Edwin etwa widmet sich gemeinsam mit seiner 8köpfigen Familie auch der Aufzucht von Rindern und Kleinvieh. Und die Kooperative von Marcos baut zudem Gemüse, Früchte und Kakao für den Eigenbedarf, aber auch für den lokalen Markt, an.

Stolz berichtet Edwin, wie ihre Art der agrar-ökologischen Landwirtschaft im Einklang mit der Natur stattfindet und die Waldlandschaft in Miraflor – Natur- und Lebensraum zugleich – schützt. Diese Mischung aus Wald und Landwirtschaft führt zudem zu einem besseren Mikroklima, das die Böden auf ihren fincas selbst in Dürrezeiten feucht hält. Dank des Fairen Handels sind die Kaffeebauern in der Lage in neue, resistentere Pflanzen zu investieren und die alten auszutauschen. Dies alles schafft somit auch langfristig Einkommensmöglichkeiten in geschützten Naturräumen und eröffnet der nachfolgenden Generation Perspektiven auf dem Land.

Der Anfang ist gemacht

Mit einem Becher fairen Kaffees aus Nicaragua und Gesprächen zwischen den Abendgästen und dem Besuch von Übersee klang der Abend dann im nahen Eine-Welt-Laden aus. Für uns war es ein rundum gelungener Tag mit vielen Erkenntnissen auf beiden Seiten, tollen Gesprächen und einem Versprechen zum Abschied: „Estamos en contacto!“ – Lass uns in Kontakt bleiben!

Marco Klemmt